Archive für 17.10.2011

Aus der Schreibstube … (I)

Die Straße lag im dunklen Schatten der großen Bohrtürme. Die wenigen Lichter an den Hauseingängen spendeten eine diffuse Beleuchtung. Es gab genügend dunkle Flecken, um von seinem jetzigen Standort schnell hinüber zur Rampe zu gelangen. Wenn da nicht die spielenden Kinder wären. Mussten ausgerechnet jetzt und hier dieses dämliche Hüpfspiel anfangen.
Jeng Tibor sah sich ruhig um. Bisher schien seine kleine Flucht nicht bemerkt worden zu sein. Das konnte allerdings nicht mehr lange anhalten. Irgendwann würden sie ihn zurückerwarten. Doch bis dahin wollte er einen ausreichenden Vorsprung besitzen.
Einige dutzend Schritte weiter führte eine Metalltreppe außen an der Wand einer Behausung hinauf zum Dach. Da die flachen Wohnbauten der Arbeiter sehr nah zusammen standen, sollte er die drei oder vier Sprünge zum nächsten schaffen.
Ohne weiter nachzudenken, lief Jeng los.
Er hastete die Stufen hoch, lief beinahe lautlos zum ersten Rand und setzte ohne zu zögern über. Dann wieder einige Schritte und Sprung. Die Kinder beachteten ihn nicht, waren mit ihrem Spiel beschäftigt. Der nächste Sprung. Als er auf dem Dach des dritten Hauses landete, brach das Material einfach weg und er stürzte mit Getöse in den Wohnraum. Mitten im Schutt des Dachmaterials blieb er benommen liegen. Er hatte nur einen Gedanken: hoffentlich war der Sturz niemandem aufgefallen. Außer den Bewohnern natürlich.
Einer von denen tauchte im Nebel seiner Sinne vor Jeng auf und hielt ihm ein Küchenmesser unter die Nase.
“Das war aber gar nicht nett!”

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