Ein weiteres Schnippet aus der neuen Kowa:
Irmina ging bedächtig den schmalen Weg entlang, der unter einer langen Reihe herabhängender Weiden eher einem Tunnel glich. Sie hatte die Augen geschlossen und spürte den Weg mit ihren Sinnen. Sie hatte während verschiedener Übungen entdeckt, dass optische Reize sie bei der Konzentration störten, deshalb blendete sie sie aus.
Hier zwischen den Bäumen und den umliegenden Sträuchern mochte sich noch der eine oder andere Rest der alten Luft befinden. Manchmal reichte ein einzelnes Molekül, um einen Hinweis zu geben. Natürlich hoffte Irmina auf mehr, denn ihre Fähigkeiten würden dafür nicht ausreichen.
Ja, der Sub-Domus hatte sich hier aufgehalten, war vielleicht wie sie durch den Weidentunnel gelaufen. Er war – gut gelaunt gewesen, geradezu euphorisch. Sie spürte eine Komponente Unsicherheit darin. Ein erstes Anzeichen? Die Intensität der Eindrücke überraschte sie, selbst zwischen den Bäumen sollte die Lufterneuerung die Spuren größtenteils entfernt haben. Die kühle Luft zusammen mit den Erfahrungen schuf eine düstere Atmosphäre, der sie sich nicht ganz entziehen konnte.
Als Irmina den Tunnel verließ, atmete sie daher unwillkürlich auf und merkte erst jetzt, dass sie unter großer Anspannung gestanden hatte. Was waren das für Gefühle, die der Vertreter Munns kurz vor seiner Tat gehabt hatte? Freute er sich auf das Massaker? Irmina glaubte es nicht, dazu war die Fröhlichkeit zu stark positiv.
Sie drehte sich noch einmal um, wie um die Weiden zu fragen, ob sie ihr helfen könnten. Doch die Bäume schwiegen und das dunkle Tunnelloch glotzte sie nur wesenlos an.
Auf dem gesamten Gelände des Parks fand sie keine weitere Stelle, die auch nur annähernd soviel aus der Vergangenheit preis gab wie die Weiden. Einzig zwei Buschgruppen, deren bunte Blüten und zu seltsamen Figuren geformten Blätter sie sonst begeistert hätten, enthielten winzige Mengen eines Eindrucks, den sie willkürlich dem potentiellen unbekannten Attentäter zuschrieb.